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Ein Perspektiv-Wechsel, der dein Songwriting garantiert befreit

Es muss großartig sein, was ich tue. Ich muss besonders sein. Dinge müssen auf eine bestimmte Art ablaufen. Alles muss, muss und muss.

Songs schreiben klappte manchmal und manchmal nicht und ich fühlte mich an einem Tag gut damit und an dem anderen Tag schlecht.

Doch es gibt einen Ansatz, der mir geholfen hat, befreiter Songs zu schreiben. Und es ist an der Zeit, ihn dir zu zeigen, denn ich wünsche dir große Befreiung beim Song schreiben, so wie auch ich sie erfahrne hatte.

Verwirkliche dich in deinen Songs! Deine kreative Seite will sich austoben und das kann sie am besten, wenn du sie so annimmst, wie sie ist. Ohne Druck und „sein müssen“.

Mit diesem Blogbeitrag starte ich in eine Reihe von „Fokus, Flow und Forcieren“ im Songwriting-Prozess. Hüpfe gerne in meinen Newsletter, um weitere wöchentliche Mini-Impulse zu erhalten.

Ich will Kuchen

Ich weiß noch, wie ich an der Kuchentheke unserer Gaststätte stand. Die Sonne schien durch das geöffnete Fenster und fiel in einem Strahl über den Tisch zu den gekühlten Kuchenstücken. Und ich rief: „Ich will Kuchen.“

Foto von Jorge Ibanez auf Unsplash

Mein Vater war am Zeitunglesen und meine Mutter damit beschäftigt den Tisch für die Seniorenrunde am Sonntag vorzubereiten.

„Nein“, sagte Mama, ohne aufzusehen.

„Ich will aber Kuchen. Ich will Kuchen. K u c h en!“ rief ich. Die Idee „Kuchen“ hatte sich in meinem Kopf festgesetzt.

Gleich würden die ersten Senior:innen bedächtigen Schrittes den Flur entlang kommen. Und ich konnte nur daran denken, unbedingt einen Kuchen zu wollen. Aber war das wirklich so?

Ich weiß noch, dass ich das Wort Kuchen beim Aussprechen selber merkwürdig fand und dass das „ch“ hervorstach. Ich weiß noch, dass es mir irgendwann gar nicht mehr vordergründig um Kuchen ging, sondern um den Klang meiner Stimme und dass ich mit dem Klang meiner Stimme etwas bewirkte: meinen Willen durchzusetzen.

Okay, so reflektiert habe ich mir das damals nicht gedacht, aber wenn ich mich jetzt zurück in die Situation hineinversetze, spüre ich meine Willenskraft und wie ich etwas Bestimmtes unbedingt wollte.

Wie ihr euch denken könnt, habe ich den Kuchen nicht erhalten. Stattdessen hat mich meine Mama zu meiner Spielecke gebracht und mich gebeten, leise zu sein. Wegen den Gästen. Und als das Klackern der Gehstöcke durch die Flure zu hören war, …. (hier bricht meine Erinnerung ab, aber wenn du Lust auf das Ende des Satzes hast, hier habe ich einen:) hatte ich den Kuchen schon vergessen.

Nun, warum erzähle ich euch das?

Der Grund ist, dass wir immer noch etwas unbedingt wollen. Und zwar täglich. Es gibt immer, das wir wollen. Ich zum Beispiel: Kaffee. Im Zusammenhang mit Musik, kann es sein, dass du unbedingt einen guten Song schreiben willst.

Ich will einen Hit schreiben, jetzt!

Ich habe drei Gründe, warum ich mich ans Klavier setze.

Erstens: Ich bin inspiriert und möchte meine Emotion in einen Klang packen.

Zweitens: Ich will einen Hit schreiben, jetzt! und

Drittens: Ich habe mir die Zeit fürs „Ans Klavier setzen“ für jetzt eingeplant und ja, darum sitz ich jetzt am Klavier und mach irgendwas bis die Zeit abgelaufen ist oder ich irgendwie inspiriert werde.

Ich habe den dritten Punkt am ausführlichsten aufgedröselt, weil er bereits die Lösung beinhaltet, die ich dir jetzt vorschlage.

Aber lass uns zu Punkt zwei gehen, denn darum geht es gerade.

Ich will einen Hit schreiben, jetzt! Ich will etwas Bestimmtes, unbedingt. Diesen Grund, mich ans Klavier zu setzen, gibt es für mich heute nicht mehr. Denn: Wie du vielleicht schon merkst. Es ist kein guter Grund. Wenn du dich hinsetzt, um einen Hit zu schreiben, baust du dir Druck auf und der raubt dir deine Muse. Sie ist dann irgendwo an einem Materpfahl gefesselt und würde gerne gerettet werden. Sie ruft um Hilfe, aber bei dir kommt an: „Schreib einen Hit, jetzt!“

Du kriegst den Eindruck, du kommst nur aus dieser Situation raus, wenn du einen Hit schreibst. Du schaffst es jetzt nur zufrieden zu sein, wenn du eine bahnbrechende Melodie findest oder einem bestehenden Entwurf eine Brücke baust. Du schaffst es nur, dich besser zu fühlen, wenn du den fehlenden Refrain zu einer Strophe findest oder endlich den Durchbruch hast bei einem Song, der dir etwas bedeutet.

Aber der Zugriff ist verwehrt, wenn du jetzt einen Hit schreiben willst. Also, lass los!

Ein Hit ist jeder Song, den du schreibst und spürst

Es ist eine gewagte These: Du bekommst den Hit, wenn du ihn nicht forcierst. Niemand kann vorher sagen, was ein Hit wird und was nicht. Ich bin auch Vertreterin des Gedankens, dass es nicht darum geht, einen Hit zu schreiben. Denn: Hits sind nicht entscheidend für eine herzerfüllende Musikpraxis. Hits sind ein Label, das von außen auf unsere Songs geklebt wird. Sie sind gemessen an Zuhörerzahlen, Engagements und dem klassischen „Rauf und runter laufen“ in Charts, Fernsehen, Radio und Streaming-Diensten.

Foto von Keagan Henman auf Unsplash

Also, wie bekommst du einen Hit?

Erstmal darfst du verstehen, dass du der Hit bist! Ich empfinde dich als Hit, weil du Musik machst. Und: Ein Hit ist jeder Song, den du scheibst und der dir etwas bedeutet.

Ich formuliere das ganze Mal um:

Wie dir Fokus bei Hit und Kuchen hilft

Statt dich darauf zu fokussieren, einen Hit schreiben zu wollen, fokussiere dich darauf, eine bestimmte Zeitspanne damit zu verbringen, Musik zu machen. Und fülle diese Me-Time mit Genuss. Übe dich in Genuss und übe dich daran, dein Singen und spielen nicht zu bewerten. Denn dann bekommst du den Kuchen…. ah vorweg gegriffen … dann bekommst du die Chance, deine Muse ins Team zu holen.

Und was den Kuchen anbelangt. Wenn ich mich als 6jähriger Stöpsel statt nach Kuchen zu rufen, darauf fokussiert hätte, die Eltern so abzulenken, dass ich ihn mir einfach hätte nehmen können….

Während ich das schreibe merke ich, dass ich damit bestimmt an meinen Kuchen, aber auch an eine Menge Ärger gekommen wäre. Aber ich merke auch vor allen Dingen, dass es nicht wirklich um den Kuchen gegangen ist. Mein Wunsch war vordergründig meinen Willen durchzusetzen und zweitgründig: Aufmerksamkeit. Wenn ich als reflektiertes, strategisch kluges Kind gewusst hätte, dass es darum geht, hätte ich verhandeln können. Vielleicht: „Wenn ich den Kuchen bekomme, bleibe ich ruhig, während die Senioren da sind“. Oder ich hätte anbieten können, meiner Mama zu helfen, beim Decken. Hätte, hätte …. Aaaaber –

Jetzt mal ehrlich. Ich hätte wahrscheinlicher einen Kuchen bekommen, wenn ich ihn nicht so laut eingefordert hätte. Und anders gesagt: Ich weiß es einfach nicht. Ich hätte wirklich, wirklich gerne diesen Kuchen gehabt.

Du merkst hoffentlich, dass diese Kuchen-Situation viel komplexer ist als das kreative Erschaffen eines „Hits“: deines Songs, den du spürst und liebst zu singen.

Ich wünsche mir für dich, dass du das Unbedingtwollen großartiger Songs loslässt und dich darauf fokussierst dir und deiner Kreativität Raum zu geben.

Lade dir „Dein erster Song in 10 Tagen„, ein Leitfaden, der deine Songs noch mehr befreien wird:

4 Comments

  1. Liebe Tanja,
    ich mache ja keine Musik, höre sie nur, aber das, was ich mache, ist schreiben. Und der Prozeß dabei ist ähnlich: ich schreibe, weil mir das Schreiben am Herzen liegt, einen Bestseller konnte ich deshalb noch lange nicht veröffentlichen. Aber meine Worte sind in der Welt, werden von wem auch immer gelesen und tatsächlich oftmals auch positiv gewürdigt.
    Was will ich mehr? Gar nichts!
    Danke für dein Statement, das WIR SELBST DER HIT sind:-)
    Du hast übrigens eine sehr sympatische Schreibe, gefällt mir sehr!
    Gruß Gabi

    1. Liebe Gabi,

      was für eine Freude von dir zu lesen, dass deine Worte mit so viel Elan in der Welt sind. Und danke für dein Kompliment, das berührt mich, freut mich.

      Ja, Bestseller wäre aufs literarisch oder fachlich schreiben wohl das Equivalent für HIT. 😉

      Das ist ein echt guter Gedanke, denn es bedeutet, wir sind nicht nur selbst DER HIT, sondern auch DER BESTSELLER.

      Du schreibst unter anderem Traureden, oder?

      Lieben Gruß,
      Tanja

  2. Wunderbar geschrieben, liebe Tanja! Auch als Bloggerin fühle ich mich manchmal blockiert durch den Gedanken, jetzt gleich einen substanziell wertvollen Blogartikel schreiben zu müssen. Danke für die Erinnerung, dass es auch leicht und unperfekt gehen darf;)

    Lg Marianna

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